Regelspur- und Museums-Nachrichten
„Schauplatz Eisenbahn“ in Chemnitz
Die Seilablaufanlage des ehemaligen Rangierbahnhofes Chemnitz-Hilbersdorf erfreut sich als Teil des Schauplatzes Eisenbahn steigender Besucherresonanz. Zunehmend interessieren sich auch Gruppen für die Historie der einstigen Herzstücke des Rangierbahnhofs: dem Stellwerk 3 und dem Maschinenhaus mit ihren technischen Originalausstattungen aus dem Jahr 1930. Da die Wagenabläufe nur an ausgewählten Öffnungstagen stattfinden, werden interessierte Gäste gebeten, sich über die Termine im Internet (Suchbegriff Technikmuseum-Seilablaufanlage) zu informieren. Nach der arbeitsreichen Winterpause startete der Schauplatz am 25. März 2023 in die neue Saison. Die Gäste erwartet auch in diesem Jahr ein reichhaltiges Angebot – angefangen von Führungen bis hin zu Fahrten auf der Feldbahn. Auf deren 600-mm-Gleisen fanden im April wieder Osterhasenfahrten statt. Zur Walpurgisnacht gab es für die Anwohner der Stadtteile Hilbersdorf sowie Ebersdorf ein neues Angebot: einen Tanz in den Mai mit Hexenfeuer. Am Pfingstwochenende gab es u. a. Führungen über den Rangierbahnhof und durch das Bahnbetriebswerk sowie Draisinenfahrten zwischen diesen beiden Standorten des Schauplatzes. Ende Mai eröffnete in einem Güterwagen der Bauart Gbs ein neuer Teil der Dauerausstellung, der sich mit der Eisenbahn in ihrer Rolle als „Weltveränderer“ befasst. Zugleich weihte das Museum auf dem gesamten Gelände ein neues Vermittlungsangebot ein, bei dem historische Figuren über ihren Beruf auf dem Rangierbahnhof und im Bahnbetriebswerk Hilbersdorf erzählen. Diese Informationen sind auch per QR-Code abrufbar.
Sonderfahrten/Veranstaltungen

Am Himmelfahrtstag fand die traditionelle Sonderfahrt nach Holzhau statt. Am Ziel konnte das wiedereröffnete Brauereimuseum Rechenberg besichtigt oder entlang des Muldentales gewandert werden. Am darauffolgenden Brückentag stand ein Dampfseminar auf dem Plan. Hierbei erlernten die Teilnehmer theoretische und praktische Kenntnisse über den Umgang mit Dampfkesseln und den Betrieb einer Dampflok. Die zweite Sonderfahrt des langen Wochenendes führte am 20. Mai durch das Zschopautal, über Vejprty (Weipert) und den Erzgebirgskamm zunächst nach Chomutov (Komotau). Von dort erreichte der Zug dem Tal der Ohře (Eger) folgend den Zielort Karlovy Vary (Karlsbad).
Auch in diesem Jahr findet in Kooperation zwischen dem Sächsischen Eisenbahnmuseum e. V. (SEM) und den Eisenbahnfreunden Richard Hartmann e. V. am „Schauplatz Eisenbahn“ ein Heizhausfest statt. Auftakt ist am Freitag, dem 25. August, 10 Uhr. Bis zum Sonntag, dem 27. August, 17 Uhr, können die Gäste dann das größte noch funktionstüchtige Dampflokbetriebswerk Europas besichtigen. Höhepunkte sind neben den mehr als 40 ausgestellten Lokomotiven die dampflokbespannten Sonderzugfahrten mit dem historischen Museumszug. Folgende Fahrten und Aktionen sind zum Heizhausfestes 2023 geplant:
- Freitag, 25. August – Nachtfotoveranstaltung
- Freitag, 25. August – „Heizhausexpress“ nach Marienberg mit Doppeldampf (50 3648-8 und 50 3616-5)
- Samstag, 26. August – Parallelfahrt nach Freiberg mit zwei Dampfloks
- Sonnabend/Sonntag 26./27. August – Schnupperfahrten nach Hetzdorf (Flöhatal)
Vorgesehene Gastlokomotiven (Stand Mai):
- 35 1097-1 und E 11 013 aus Glauchau,
- 44 1093-2 (nicht betriebsfähig),
- Diesellok 120 274-6 und Ellok 211 030-2 aus Arnstadt,
- 50 3616-5 aus Schwarzenberg,
- 52 8177-9 aus Berlin,
- 94 1538 aus Ilmenau und
- 95 1027-2 aus Blankenburg
Chemnitzer Brigadelok zu Gast in Niedersachsen

Für eine Sonderausstellung ist die 1919 in Chemnitz von der Sächsischen Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann gebaute 600-mm-Brigadelok HF 2738 aktuell als Botschafter sächsischer Eisenbahngeschichte zu Gast im „PS.Speicher“ im niedersächsischen Einbeck (zwischen Göttingen und Hildesheim) und kann dort als Teil einer Sonderausstellung besichtigt werden. Der nach dem Ersten Weltkrieg ausgelieferte D-Kuppler war viele Jahrzehnte mit der Betriebsnummer 10 bei der Sena Sugar Estade in Mosambik im Einsatz. Ende der 1990er Jahre holte ein britischer Händler mehrere Lokomotiven dieses Typs nach Europa zurück und im Jahr 2000 gelangte davon die einzige erhaltene „Hartmann-Brigadelok“ nach Chemnitz-Hilbersdorf. Hier wurde die Maschine in jahrelanger Feinarbeit mit Hilfe zahlreicher neu gebauter Teile aufgearbeitet. Nach dem Ende der Sonderausstellung kehrt die Lok im ersten Quartal 2024 aus Niedersachsen nach Chemnitz zurück.
14.06.2023